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Die Südwand stand schon lange auf unserer Wunschliste der „Klassiker”, die wir noch nie besucht hatten. Eines Tages marschierten wir also los. Bei der Vorbereitung hatte ich noch andere Südwände in Erinnerung, bei denen ich halb verdurstet mit viel zu schwerem Rucksack aber zuwenig Wasser hinaufgekeucht war. Es war zwar schon ein wenig fortgeschritten im Jahr, aber ich kannte mich da ja aus: diesmal würde ich nicht wieder meinen alten Fehler begehen!
Schon beim Zustieg bekamen wir ein angenehmes Gruseln, als wir ganz unvermittelt vor den prallen Wänden standen. Diese Mauern wollten wir also hinauf, sauber... Als dicke Wolken und Nebel heraufzogen, ärgerten wir uns erst nur, dass wir so den Weg zum Einstieg nicht so gut finden konnten wie erwartet. Aber die Wolken würden schon wieder verschwinden. Was sie natürlich nicht taten. Es war saukalt und sollte bald zu regnen und schneien anfangen. Nur wenig zwar, aber ich Schlaumeier hatte meine Bergjacke ja intelligenterweise „eingespart”.
Auch unsere weitere Suche nach dem Einstieg hatte mehr mit Trüffelschweinen zu tun, als mit einem kurzen Zustieg nach unserer Vorstellung. Drei Seillängen Schrofengelände, die wir - „das muss doch jetzt die Route sein, oder?” - ganz professionell bekletterten, stellten sich schließlich als leicht zu umgehender Vorbau heraus. Das bescheidene Wetter blieb übrigens und brachte uns nicht nur um heftige Tiefblicke, sondern bescherte uns auch eine triefnasse Schlüsselstelle, bei der uns das Wasser in die Ärmel rann. Dass es trotzdem eine Super-Tour wurde, liegt an der Routenführung und an den extrem originellen Kletterstellen..
Weg
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Lage:
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Berchtesgadener Hochthron (1973m), Untersberg, Berchtesgadener Alpen, Deutschland. Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz Hinterettenberg, bei Ettenberg, zu dem man von Marktschellenberg aus gelangt.
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Zustieg:
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Vom Parkplatz aus geht man etwa 1 1/2 Stunden auf bezeichnetem Wanderweg zum Scheibenkaser. Hier hat man einen großartigen Einblick in die Südwand. Vom Scheibenkaser aus in etwa 3/4 Stunde über leichtes Schrofengelände und ein Geröllfeld zum Einstieg an die Wand. Der Einstieg befindet sich an einem Grasband an einer Kante.
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Route:
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1.SL:
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Über Platten (III) an der linken Seite der Kante gerade hinauf zu Stand.
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2. SL:
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Dann über einen kleinen Hangelquergang (III+) und eine recht abgeschmierte enge Passage (wird als „Nudelwalker” bezeichnet, d.h. mit Rucksack etwas unelegant...) zu Stand.
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3. SL:
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Nun leichteres Gelände (II) gerade hinauf zu Stand.
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4. SL:
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Jetzt eine Rißverschneidung gerade hinauf (IV-, sehr abgeschmiert) zu Stand.
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5. SL:
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Dann etwa 25m auf einem ausgesetzten Radlweg nach links queren (I-) und eine kleine Verschneidung (III-, 4m) zum Wandbuch in einer Nische, Stand.
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6. SL:
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Ein paar Meter nach rechts queren und ein plattiges Wandl (8m, IV) hinauf. Diese Stelle kann bei Regen etwas unangenehm werden. Jetzt gelangt man (wieder leichteres Gelände) in eine große Verschneidung und erneut zu Stand.
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7.-8. SL:
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Wem es hier reicht, der kann nach rechts über Steilschrofen (II, gut abgesichert) weitergehen. Als Variante bietet sich eine steile Verschneidung links an (etwa im IVer Bereich). Nach dem Ausstieg über Schrofen gelangt man zum Störhaus am Berchtesgadener Hochthron.
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Abstieg:
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Vom Störhaus, in dem man nach getaner Arbeit gut einkehren kann, auf bequemem Weg wieder hinunter zum Scheibenkaser und von dort aus nach Ettenberg.
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Schwierigkeiten
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Technische Schwierigkeiten :
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Die Schwierigkeiten liegen bei maximal IV (diesen Grad sollte der Vorsteiger auch locker beherrschen), vor vielen, vielen Jahren, als der Kalk noch weniger Marmor-gleich war, dürfte die Tour bei etwa III+ gelegen sein. Die Schlüsselstellen liegen in der 4. und 6. SL, der Schwerpunkt bei einem satten „Dreier”.
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Orientierung:
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Die Orientierung ist recht problemlos, sobald man wirklich in der Tour ist, meist muss man nur nach den abgespeckten Stellen suchen. Wir hatten aufgrund des Nebels leichte Probleme beim Schrofenzustieg.
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Sicherung:
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Die Tour ist mittlerweile wieder durchgehend mit Bohrhaken abgesichert (nachdem ein Knallkopf alle ZS abgesägt hatte...), der Fels ist fest (nicht jedoch der Schrofenausstieg). E0.
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Objektive Gefahren:
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Größte Vorsicht beim Schrofenausstieg (entspricht etwa 2-3 SL)!!! Nach Regenfällen ist der Boden aufgeweicht und Tischgroße Blöcke können sich lösen, wenn man gerade draufsteht (ist uns passiert!). Davon ist auch der letzte Standplatz (vor dem Schrofenausstieg oder der Verschneidungsvariante) betroffen, weil hier Steine von den Schrofen oberhalb kommen können.
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Charakteristik
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Erstbegehung:
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Barth, Niedermayer, 1907.
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Länge:
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Etwa 230 m Kletterlänge und 180 Höhenmeter, eine durchaus tagesfüllende Tour.
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Landschaft:
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Hier stimmt alles, ein schöner Zustieg mit prächtigen Einblicken in die Wand, schöne Tiefblicke in der Tour und der Berchtesgadener Hochthron als krönende Aussichtskanzel.
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Material:
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Doppelseil, Helm, vielleicht ein paar Keile zusätzlich.
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Sonstiges:
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Die Tour ist sehr beliebt. Wirklich sehr beliebt. Das hat einerseits seinen Grund, weil sie tolle Kletterstellen aufweist, bedeutet aber andererseits, dass man es stellenweise mit Marmor zu tun hat und dass man diese Tour tunlichst nicht an schönen Sonn- und Feiertagen gehen sollte, wenn man sich nicht „hinten anstellen” will.
Durch die besondere Verteilung der Schwierigkeitsgrade eignet sich diese Tour sehr gut für abwechselnden Vorstieg zwischen zwei ungleich starken Kletterpartnern. Der Schlechtere nimmt die ungeraden, der Bessere die geraden SL.
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Literatur
H. Höfler: Berchtesgadener Alpen, Rosenheimer, 1993. Tourenbeschreibung auf S. 133, ebenfalls mit IV bewertet.
H. Höfler: Klettern in den Nördlichen Kalkalpen, Bruckmann, 1991. Tour 28. Ebenfalls mit IV bewertet, ebenfalls mit dem Argument, dass der Fels mittlerweile teils „arschglatt” ist.
H. Schöner, B. Kühnhauser: AV-Führer Berchtesgadener Alpen, Bergverlag Rudolf Rother, 1994. Tour 186. Dort mit III+ reichlich unterbewertet, das scheint noch aus der Zeit der Erstbegeher zu stammen und berücksichtigt nicht den abgespeckten Fels in den Schlüsselstellen.
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