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Als wir das erste Mal zur „kleinen Süd” unterwegs waren, saßen wir - allesamt alpine Greenhorns - recht unschlüssig am Einstieg herum. Das sollte eine leichte Anfängertour sein? Unser Vorsteige-Spezialist wurde am Seil vorgeschickt und kam recht kleinlaut zurück. „Da kommt's Ihr nie rauf”, war sein Kommentar. Das war ein hartes Urteil, aber er war mindestens einen Grad besser als wir, und so mussten wir ihm also glauben, ein wenig erleichtert sogar.
Da sahen wir ganz unten, über die Schrofen von der Toni-Lenz-Hütte, ein altes Männlein heraufkrauchen. Sein Alter war schwer abzuschätzen, aber er sah so aus, als ob er sich gerade noch so eben gebückt an seinem einzelnen Teleskopstock aufrecht halten konnte. Siebzig wird er mindestens gewesen sein. „Was will denn der da?” fragten wir uns. Der Arme hatte sich offensichtlich verlaufen und bewegte sich nun bereits in durchaus gefährlichem Gelände. Er kam immer näher und erreichte schließlich uns trauriges Häuflein. Wir waren wirklich besorgt um ihn. „Griaß Eich!”, meinte er knapp und war auch schon verschwunden, mit seinen ausgelatschten Turnschuhen. Der Alte klapperte doch tatsächlich seilfrei mit seinem einzelnen Stecken die Tour hoch, die wir uns nicht trauten!
An diesem Tag wurde es nichts mehr mit der Tour, wir konnten es dann Gott sei dank auf die aufziehende Gewitterfront schieben, so dass sich die Peinlichkeit zumindest subjektiv in Grenzen hielt. Als wir schließlich wieder bei der Toni-Lenz-Hütte angelangt waren, saß da auch schon unser Freund bei einer kühlen Maß Bier...
Natürlich sind wir die Südwand ein paar Wochen später dann wirklich gegangen. Was für Angsthasen wir waren! Was auf den ersten Blick ganz furchtbar und brutal aussah, stellte sich als genussvoll, luftig und extrem griffig heraus. Manchmal braucht es halt etwas länger.
Weg
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Lage:
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Salzburger Hochthron (1853m), Untersberg, Berchtesgadener Alpen, Österreich. Auf Bayrischer Seite, kurz nach der Grenze Salzburg-Berchtesgaden gibt es einen Wanderparkplatz bei Schellenberg, linke Straßenseite in Richtung Berchtesgaden. Oder mit der Seilbahn von St. Leonhard bei Salzburg auffahren.
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Zustieg:
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Vom Parkplatz aus in 1 1/2 - 2 Stunden zur Toni-Lenz-Hütte, oder von der Gipfelstation der Seilbahn in etwa 3/4 h über den Thomas-Eder-Steig hinunter. Die dortigen „Alpenbumerangs” (mit Nuss gefüllte frischgebackene Hörnchen) sind ein Muss! Von der Hütte aus weiter auf dem Weg zur Schellenberger Eishöhle, bei der Bank (für die wartenden Höhlenbesucher) gerade den Wiesenhang hinauf auf den Sattel und dann über grasiges Schrofengelände (I, Vorsicht!) immer in Richtung Felswand weiter. Der Einstieg ist durch ein umgekehrtes „U” aus hellerem Fels weithin sichtbar, außerdem befindet sich ein Schild „Radfahren verboten” direkt über dem Einstieg (BH). Etwa 1 Stunde von der Hütte aus.
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Route:
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1.SL:
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Zunächst 2m aufwärts und etwa 20m nach rechts auf einem schmalen Band queren (I-II). Dann über gut griffigen Fels etwa 10m gerade nach oben (III-) bis zu Stand.
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2. SL:
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Jetzt schräg links weiter über eine kurze Steilstufe (III-) in Schrofengelände. Hier kann man entweder den Trittspuren folgen (I-II) und im Zickzack weiter, oder man geht gerade nach oben (III oder mehr, je nach Variante) bis zu einer großen Nische mit Wandbuch, Stand.
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3. SL:
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Jetzt rechts 5m Gehgelände, dann ein gut gestuftes Wandl (II) nach oben zu Stand (sehr kurze SL, kann man auch überspringen, dann handelt man sich aber erheblichen Seilzug ein.).
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4. SL:
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Jetzt eine gestufte Rinne (III-) weiter hinauf zu Stand.
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5. SL:
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An dieser Stelle kann man entweder den langweiligen Originalausstieg nach rechts über Schrofen nehmen (I-) oder aber einen sehr netten Kamin (III+?? IV-??) an der linken Seite der Rinne hinauf. Der Kamin ist herrlich zu klettern, aber man sollte mit Köpfelschlingen und Friends kreativ umgehen können, weil da nichts steckt. Oben auf der Hochfläche gibt's genügend große Felsbrocken zum Hinaufsichern der Nachsteiger.
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Abstieg:
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Jetzt - je nach Zustieg - entweder den Thomas-Eder-Steig hinunter zur Toni-Lenz-Hütte oder über die Hochfläche zurück zur Bergstation der Seilbahn.
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Schwierigkeiten
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Technische Schwierigkeiten :
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Die Route läßt Spielraum für Schwierigkeiten zwischen maximal III- und III+. Ansonsten liegt der Schwerpunkt bei II, es gibt aber besonders am Anfang einige recht ausgesetzte Stellen, die bei unerfahrenen Vorsteigern ganz nett an den Nerven zerren können. Im mittleren Teil (2.-3. SL) hat man aufgrund der Routenführung bisweilen mit recht heftigem Seilzug zu kämpfen.
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Orientierung:
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Die Orientierung ist problemlos, es gibt aber einige Querungen, so dass eine Routenskizze mitgenommen werden sollte.
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Sicherung:
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Haken sind in ausreichendem Maße vorhanden, lediglich bei der - sehr empfehlenswerten - Variante durch den Kamin muss komplett selbst gesichert werden, E1, sonst E0.
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Objektive Gefahren:
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Man sollte den Zustieg nicht unterschätzen, schon viele gute Bergsteiger sind im „leichten” Schrofengelände verunglückt. Ansonsten ist der Fels fest, Steinschlaggefahr besteht eigentlich nur, wenn der Vorsteiger beim Standplatz nach der ersten SL unachtsam ist (da ist viel Geröll am Boden) und gegen Ende des Schrofenzustiegs. Durch die Kürze der Tour gibt's wohl wenig Probleme wegen Rückzug.
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Charakteristik
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Erstbegehung:
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G. Starke, 1900.
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Länge:
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Etwa 100 Klettermeter und 70m Höhenunterschied (ohne Schrofenvorbau). Von der Toni-Lenz-Hütte bis zum Gipfel sind es etwa 300 mH.
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Landschaft:
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In den ersten SL wunderbare Tiefblicke auf die Toni-Lenz-Hütte. Die Tour selbst zeichnet sich durch recht abwechslungsreiche Kletterstellen aus.
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Material:
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Helm! Doppelseil, bei der Variante in der 5. SL: einige Bandschlingen und ein mittleres Keilesortiment.
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Sonstiges:
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Ideal, wenn man einmal einen Anfänger mitnehmen möchte (dann aber evtl. schon im Schrofengelände sichern), oder wenn man wenig Zeit hat. Das „Radfahren verboten” Schild am Einstieg ist immer für einen Lacher gut. Gut auch in Kombination mit einem Besuch der Schellenberger Eishöhle.
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Literatur
H. Schöner, B. Kühnhauser: AV-Führer Berchtesgadener Alpen, Bergverlag Rudolf Rother, 1994. Tour 115. Dort ist die Standard-Variante mit III- treffend bewertet, die hier vorgestellte Variante ist aber deutlich schwerer.
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