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Das ist eine ganz leichte Tour, ideal für Anfänger geeignet, aber so abwechslungsreich und nett, dass ich sie schon unzählige Male wiederholt habe, ohne dass die Sache langweilig geworden wäre. Die „Hexe” heißt so, weil die beiden Türme im Profil das Bild von Nase und Kinn einer Hexe bilden. Hinzu kommt noch der Signalkopf, der den Busen der „schlafenden Hexe” bildet. Zwischen Kinn und Nase führt die Route auf die Nasenspitze hinauf, und zwar auf der Südseite der Türme.
Diese Türme heißen eigentlich großer (die Nase) und kleiner (das Kinn) Rotofenturm, der große wird aufgrund seiner markanten Form auch oft als „Montgelasnase” bezeichnet. Die Tour ist die sogenannte „Berchtesgadener Rinne” (weil sie in Richtung Berchtesgaden liegt) und ist nicht zu verwechseln mit der ungleich schwierigeren und gefährlichen „Reichenhaller Rinne”, die sich auf der gegenüberliegenden Seite befindet.
Eine ideale Tour für Spätherbst und Winter, man kommt gerade mal auf knapp unter 1400m. Viele Leute, die ich auf die „Hex” das erste Mal zum Klettern mitgenommen habe, sind seither vom „Virus Klettern” befallen... (mir selbst ging es damals nach einem AV-Kurs ähnlich)
Allerdings sollte man berücksichtigen, dass gerade der düstere Kessel beim Einstieg in die Rinne und die anscheinend himmelhohen Türme darüber auf Kletterneulinge durchaus abschreckend wirken. Die Gedenktaferln direkt am Einstieg tragen vielleicht auch noch dazu bei. Heiße Diskussionen mit ängstlicheren Gemütern über Sinn und Unsinn solch gefährlicher Unternehmungen können die Folge sein.
Allerdings sollte man die Hex auch nicht auf die leichte Schulter nehmen, insbesondere wenn man ohne Seil unterwegs ist - mehrere tödliche Unfälle sind eine deutliche Warnung. Mir selbst wäre am Silvester '97 beim ungesicherten Abklettern der Rinne beinahe ein fußballgroßer Felsbrocken auf den Kopf gefallen! Ansonsten gilt Ähnliches wie beim Barmstein-Südgrat: die Schwierigkeiten sind vergleichbar, der Fels ist aber etwas weniger stabil. Vorsicht vor ausbrechenden Griffen und Tritten!
Wer noch eins draufsetzen will, kann beim Abstieg von der Scharte aus noch den kleinen Rotofenturm (das „Kinn” der Hexe) besteigen: man quert luftig zur Bad Reichenhaller Seite heraus, und dann gerade über eine leicht wackelnde Platte (Vorsicht!) nach oben. Die Schwierigkeiten sind hier allerdings deutlich höher (IV+), auf den 20m Kletterlänge steckt nur ein einzelner alter Rosthaken, der einen größeren Sturz wahrscheinlich nicht mehr aushält. Auf dem Gipfel dann Stand an mit Drahtseil gesicherten Haken, über die man sich auch abseilen kann.
Weg
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Lage:
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Großer Rotofenturm (1369m), Lattengebirge, Berchtesgadener Alpen, Deutschland. Ausgangspunkt ist ein Wanderparkplatz auf der Straße von Bad Reichenhall nach Berchtesgaden, etwa 200m nach dem Bahnübergang Hallturm, auf der rechten Seite.
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Zustieg:
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Vom Parkplatz aus etwa 90 min Aufstieg zum Rotofensattel ueber schattigen Wanderweg, viele Serpentinen, aber angenehm zu gehen. Wenn man am Sattel ankommt, befinden sich links die beiden Rotofentürme (erst der kleine, dann der große). Man überquert den Sattel und geht nach etwa 10m links durch Wald hinab, am kleinen Turm vorbei in die Einbuchtung zwischen den beiden Türmen (zwei Gedenktafeln). Die Rinne befindet sich auf der Berchtesgadener Seite, von der Rinne auf der gegenüberliegenden (Reichenhaller) Seite sei an dieser Stelle noch einmal dringend gewarnt (lebensgefährlich brüchig...).
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Route:
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1.SL:
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In der Einbuchtung befindet sich ein SH, etwa 7m aufwärts (II), ZS und nach links in die Scharte queren (III-). Hier macht man am Besten gleich Stand, der Seilzug ums Eck' wird sonst recht unangenehm.
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2. SL:
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Jetzt die Rinne immer gerade aufwärts (mehrere ZS, II) bis zur Montgelasscharte, d.h. den Punkt, an dem sich die beiden Türme trennen. Hier SH und schöne Tiefblicke nach beiden Seiten.
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3. SL:
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Jetzt rechts über eine kleine Platte (II+) auf einen „Radlweg” (I-) etwas unterhalb des Grates zu einem SH an einer Platte neben dem „Guckloch”.
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4. SL:
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5m nach oben auf den Grat und ihn luftig aber ohne große Schwierigkeit (I) entlang bis zur Steilstufe. Für ängstliche Nachsteiger evtl. Schlingerl als ZS legen.
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5. SL:
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Eine Steilstufe (II) hinauf bis knapp unter den Gipfel zu SH.
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6. SL:
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Das Gipfelwandl (III-, ZH) hinauf auf den Gipfel. Hier Stand an einem Felsblock bauen (lange Bandschlinge), es gibt keinen Standhaken mehr. Nach ein paar Metern Gehgelände ist man beim Gipfelkreuz. Hier hat man einen schönen Rundumblick über Berchtesgadener Alpen (der Untersberg liegt direkt gegenüber) und das Staufenmassiv.
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Abstieg:
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Am Besten abklettern und schließlich über die Rinne abseilen (zwei 55-60m Halbseile sind ideal, sonst muss man halt zweimal abseilen). Beim Abklettern ist natürlich der schwächere Kletterer „Vorsteiger” und wird von oben gesichert. Man muss sich dabei allerdings darauf verlassen können, dass dieser das Bauen eines Standplatzes und insbesondere das Legen des Halbmastwurfs auch wirklich beherrscht: man hat ja keine Möglichkeit, ihm dabei über die Schulter zu schauen. Eigener Leichtsinn diesbezüglich hat mich schon mehr als einmal zum unfreiwilligen „Free Solo” - Begeher gemacht.
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Schwierigkeiten
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Technische Schwierigkeiten :
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Stellen III-, sonst II und leichter. Der Schwerpunkt liegt eindeutig bei II, über die beiden III- Stellen kann man sich (oder Nachsteiger) zur Not auch drübermogeln.
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Orientierung:
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Die Orientierung ist problemlos, man kann sich praktisch nicht verteigen, weil man zuerst der Rinne folgen muss und auf dem Grat eh' nicht auskann.
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Sicherung:
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Die SH sind alle recht gut, es stecken meist moderne Bohrhaken, ZH sind teilweise alte Rostgurken, dafür aber reichlich vorhanden (Heinz Zembsch benutzt die Tour gerne für seine Kletterkürsler...), man kann sich Keile sparen, für's Nachsichern auf das Gipfelwandl braucht man eine Köpflschlinge, evtl. auch Schlingen am Grat legen. Mit einer E1- deshalb bewertet, weil der letzte Standplatz selbst gebaut werden muss (ist aber einfach).
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Objektive Gefahren:
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Der Fels sieht zwar meist fest aus, aber wenn was passiert, dann brechen halt relativ große Brocken aus. Vorsicht an Sonn- und Feiertagen: da die Tour recht beliebt ist, kann es schon mal zu „Gegenverkehr” kommen, bzw. von unerfahrenen Kletterkürslern, etc. Steine abgelassen werden (Helm!!!). Durch die Kürze der Tour (die 6SL sind alle recht kurz und leicht, man lasse sich dadurch nicht irritieren) ist ein Rückzug als problemlos einzustufen.
Allgemein als gefährlich werden der sogenannte „Normalweg” auf der Ostseite und die Reichenhaller Rinne an der Nordseite eingestuft. Während letztere eh' schon einigermaßen gruselig wirkt, sieht man's dem Normalweg nicht unbedingt an, dass an diesem von Herrmann von Barth erstbegangenen Weg mannsgroße Trümmer (u.U. mit einem selbst, schon tödliche Unfälle!) ausbrechen können. Vorsicht!
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Charakteristik
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Erstbegehung:
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Unbekannt, die Tour ist ein alter Klassiker.
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Länge:
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Etwa 150 Klettermeter, Höhe weniger als 100m. Eine richtige Kurztour für den Nachmittag. Seilfrei ist man in 20 Minuten oben, als Seilschaft dauert es erheblich länger.
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Landschaft:
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In der Rinne sieht man leider nicht so viel, dafür gibt es auf dem Grat und Gipfel schöne Rundumblicke auf die Berchtesgadener Alpen und das Staufenmassiv der Chiemgauer Alpen.
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Material:
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Die Mitnahme von 2-3 langen Bandschlingen (Querung am Anfang, Stand am Gipfel) ist empfehlenswert, Friends und Co braucht man dort wirklich nicht mitzuschleifen. Ein Helm ist besonders an Sonntagen dringend zu empfehlen.
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Sonstiges:
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Die Tour ist sehr beliebt, geht auch noch sehr spät oder früh im Jahr und ist für Anfänger sehr geeignet, sofern dieser die Sicherungstechniken beherrscht. Ein echter Klassiker im untersten Schwierigkeitsbereich!
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Literatur
H. Schöner, B. Kühnhauser: AV-Führer Berchtesgadener Alpen, Bergverlag Rudolf Rother, 1994. Tour 283. Dort mit II ein ganz klein wenig unterbewertet, aber wer streitet in diesem Bereich schon um halbe Grade?
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