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Wer wie ich immer auf der Suche nach lohnenden Genussklettereien ist, sollte sich die Brandenstein-Führe am Hohen Göll einmal ansehen. Die Route ist durchaus beliebt und wird häufig begangen, allerdings nicht immer um ihrer selbst willen: Der Zustieg zum „Großen Trichter” ist eigentlich die untere Hälfte der Brandenstein-Führe, und Begeher der beiden Göll-Trichter (und deren Varianten) fahren meist auch über die Abseilpiste ab, die mit der oberen Hälfte der Tour identisch ist.
Die Tour ist keine reine Kletterei, sondern es gibt immer wieder mal einfaches Schrofengelände und sogar „Radlwege” dazwischen. Schön für „klassische Alpinisten”. Bei meiner ersten Begehung der „West” haben wir uns ziemlich viel Zeit gelassen, was dann zu entsprechend schönem Durst beim Abseilen geführt hat. Eine andere Begehung mit meinem Bruderherz musste wegen Steinschlag-Bombardement und zuviel Schnee abgebrochen werden.
In Verkennung der Gefahren und völlig fasziniert von den fotografischen Möglichkeiten dieses Geländes hatte er mehr als einen Film verschossen, während knapp links und rechts von ihm die Geschosse aus den Trichtern einschlugen. Beim Klettern selbst haben wir das überschlagende Vorsteigen ein wenig eingeübt, wobei er im Eifer des Vorstiegs dann einen gut kopfgroßen Klemmblock beinahe in den Händen gehalten hatte. Nicht auszudenken, was dabei hätte passieren können…
Mir ist noch immer der Anfang der Abseilpiste in Erinnerung, da geht's mit einem stark wackelnden Normalhaken los, so etwas kostet schon ein wenig Überwindung. Hier im Zweifelsfall eine Schlinge als zusätzliche Sicherung opfern. Ebenso beeindruckend waren allerdings auch die vielen Edelweiß im unteren Teil der Tour - bitte keinesfalls pflücken, an dieser Schönheit sollen sich auch noch andere erfreuen dürfen!
Makaber war, dass genau an einem Tag, an dem wir uns die Göll-West mal wieder vorgenommen hatten (und dann doch nicht dazu kamen) ein Toter in der Wand gefunden wurde. Es handelte sich dabei um einen Skitourengänger, der sich im Winter davor verfahren hatte und über die Westwand abgestürzt war. Diesen Fund habe ich dann gerne anderen „überlassen”.
Weg
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Lage:
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Hoher Göll (2522m), Göllstock, Berchtesgadener Alpen, Deutschland. Ausgangspunkt ist der Parkplatz Scharizkehlalm, zu erreichen über die Straße von Berchtesgaden nach Hinterbrand, links abbiegen, ist gut zu finden.
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Zustieg:
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Von der Alm aus die Forststrasse weitergehen, immer in Richtung Westwand, bis man an einer Linkskurve zu einem sehr gut ausgelatschten Pfad gelangt. Auf dem Pfad über Geröll zum Wandfuß aufsteigen, am rechten Ende eines Altschneefeldes lässt sich's bequem zur Wand einsteigen. Die Stelle erkennt man an ein paar Gedenktaferln. Jetzt einfach über ein Schrofenband nach links aufsteigen bis zu einem großen Block. Etwa 45-60 min. Hier kann man dann bequem Gurte, Helm und Seil anlegen.
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Route:
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Zunächst einige Meter nach rechts leicht aufwärts bis zu einer Felsschuppe: hier kann man mit Bandschlingen einen Standplatz bauen; die erste SL geht über gutgriffige Platten (III-) ziemlich gerade nach oben (SU als ZS), bis man einen nach links führenden „Radlweg” erreicht. Den Weg nach links bis zu seinem Ende verfolgen (I-), dort Stand (2H). Von hier - immer an der linken Seite haltend - nach oben II, Gehgelände, eine leichte Verschneidung (II) zu Stand. Jetzt immer den reichlich vorhandenen ZH folgen (III-), bis man wieder auf einen „Radlweg” (Gehgelände) stößt. Der Weg wird verfolgt, ein paar Meter abgestiegen, in Richtung zum „Großen Trichter”, bis man an einen gelb markierten SH kommt, der zur Abseilpiste gehört. Jetzt wieder einige Meter (III) gerade empor zum nächsten SH (gelb markiert), der sich am Beginn einer Schlucht befindet. Die Schlucht selbst ist wieder leichtes Schrofengelände, man geht nach oben bis zu ihrem Ende. Dort erneut Stand. Hier links haltend nach oben (III-), sehr schöne Tiefblicke und Aussicht auf den „Schild” vor dem großen Trichter (hier kann man sich sehr schön gruseln, wenn man sich vorstellt, dass der Schild als Hangelquergang gemacht wird ...) von einem Felsköpfl aus. Nach diesem Felsköpfl geht's eher nach rechts oben weiter: nach links zieht zwar auch ein netter Kamin mit Klemmblock am Anfang (IV-) empor, das ist aber ein Verhauer! Wir haben's bei unserer Begehung auch erst gemerkt, als wir dann oben im ungangbaren Gestrüpp gelandet sind ... Der echte Ausstiegskamin ist eher glatt und plattig, mit großen Wasserrillen (III+). Nach dem Kamin SH, man kommt dann in eine Rinne (II), durch sie hinauf und schließlich über leichtes Schrofengelände (I) gerade empor zu einem netten Platz, an dem man sich's bequem einrichten kann. Bis zum eigentlichen Gipfel wären es allerdings noch einige hundert mH Geschröf, so dass hier meist die Tour beendet wird.
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Abstieg:
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Jetzt hat man mehrere Möglichkeiten:
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(a)
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Eher rechts empor zum „Trichterwiesl” und von dort auf den Gipfel (lang) und Abstieg Richtung Pflughörndl.
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(b)
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Eher links empor und zum Steftensteig oder über den Mannlgrat zum Kehlsteinhaus.
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(c)
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Abseilen über die gelb markierten Haken der Abseilpiste. Die Piste ist nur im oberen Teil identisch mit der Aufstiegsroute, unten geht's gerade über Platten hinunter. Achtung: der erste Abseilhaken (am oberen Ende des Ausstiegskamins) ist eine alte Rostgurke, die nur halb in den Fels geschlagen ist und wackelt ... 2 m oberhalb befindet sich aber eine Sanduhr mit Schlinge und Ring. Wer sicher gehen will (wie wir), kann ja das Seil durch beide Ringe ziehen ... alle anderen Haken in der Piste sind ok, für die letzte SL gibt's ein Felsköpfl auf dem Boden. Halbseile (mindestens 2x40m) sollte man unbedingt dafür verwenden!
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Schwierigkeiten
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Technische Schwierigkeiten :
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Gering (meist II, kurze Stellen bis III+, oft I), alles problemlos frei machbar.
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Orientierung:
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Geht so, die Wand ist relativ groß, ein „Verhauer” ist aber meist kein Problem, weil man fast überall gangbares Gelände findet.
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Sicherung:
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Es steckt einigermaßen viel, aber nicht immer in bester Qualität. Eventuell Haken und Hammer mitnehmen, größere Keile/Friends schaden auch nichts - E1.
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Objektive Gefahren:
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Vorsicht vor Steinschlag, wenn auf den Bändern des ersten Teils und in der Schlucht andere Seilschaften unterwegs sind, da das Gelände teilweise recht schrofig ist und entsprechend viel loses Gestein herumliegt. Gefährlich kann's auch bei Schnee in der Wand (Spätherbst, Frühjahr) werden. Wenn die Sonne ab Mittag in die Wand scheint, werden jede Menge Geschosse losgetaut.
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Charakteristik
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Erstbegehung:
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Brandenstein, 1920.
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Länge:
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Knapp 500m Kletterlänge, Höhe etwa 400m.
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Landschaft:
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Teilweise atemberaubende Ausblicke ins Tal und auf den Rest der Westwand.
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Material:
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Helm!!, zwei Halbseile (Rückzug, Abseilen), ein paar Schlingen für Standplätze, evtl. Haken und Hammer und mittlere Keile/Friends (Verhauer) mitnehmen. Keine zu engen und unbequemen Kletterschuhe verwenden, das verbietet sowohl die Länge, als auch die Stellen mit Gehgelände zwischendurch.
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Sonstiges:
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Ideal, wenn man sehr früh aufbricht, weil man etwa bis Mittag Schatten hat (Westwand!). Unten in der Alm wartet dann schon die kühle Radlermaß...
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Literatur
H. Froidl: Bayern - Tirol, Touristik-Topoverlag, 1993. Wandphoto und Tourenbeschreibung auf S.75f. Mit IV- ein klein wenig überbewertet.
H. Schöner, B. Kühnhauser: AV-Führer Berchtesgadener Alpen, Bergverlag Rudolf Rother, 1994. Tour 1144. Dort mit III+ sehr korrekt bewertet.
Horst Höfler: Berchtesgadener Alpen, Rosenheimer, 1993. Tour auf S.135 beschrieben. Ebenfalls mit III+ bewertet.
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