dreierwegabseilDer Dreierweg ist kompletter Schrott. Lohnt nicht, ist schlecht abgesichert und außerdem gefährlich wegen entgegenkommender Abseiler (z.B. zur Ostwandverschneidung) mit Steinschlag im Gepäck. Das galt lange Zeit. Mittlerweile wurde die Abseilpiste in einen glatten steilen Wandteil verlegt und der Dreierweg komplett mit Bohrhaken in anfängertauglichen Abständen saniert. Und siehe da: der Dreierweg ist eine sehr hübsche und lohnende Tour im unteren Schwierigkeitsbereich geworden! Wer hätte das gedacht...

Drauf gestoßen bin ich eher aus Zufall. Eigentlich wollten wir an einem der letzten schönen Herbsttage die Ostwandverschneidung gehen. Am Untersberg lag bereits ordentlich Schnee, aber es war herrlich warm. Leider führte das dazu, dass wir beim Abseilen über die (teilweise überhängende) neue Piste eine sehr intensive Dusche durchs Schmelzwasser abbekamen und unten wie nasse Hunde in den Schrofen saßen. Also erst mal die Klamotten trocknen und die Sonne wirken lassen.

Der Übergang vom unteren Ende der Piste zum Einstieg der Ostwandverschneidung war voller Schnee, recht steil, blöd abzusichern und alles ziemlich sülzig. Es sah zumindest unangenehm aus, wenn man eh schon drecknaß ist, schreckt das noch mehr. Also stattdessen den Dreierweg hinauf, wir waren ja direkt beim Einstieg. Wenn's auch deutlich leichter war als die geplante Tour, bereut haben wir diese Entscheidung nicht!

Ansonsten wird in diesem Eck des Untersbergs recht fleißig neu erschlossen und gebohrt, auch im unteren Schwierigkeitsbereich.

Weg

 

Lage:

Salzburger Hochthron (1853m), Untersberg, Berchtesgadener Alpen, Österreich. Ausgangspunkt ist die Seilbahnstation in St. Leonhard bei Salzburg.

 

Zustieg:

Man fährt mit der Seilbahn auf, geht Richtung Salzburger Hochthron, wo in einer Senke auf der linken Seite die rot markierte Abseilpiste beginnt. Die Piste verläuft über steiles kompaktes Gelände. Am Ende der Abseilpiste gelangt man in eine Mulde. Hier Stand.

 

Route:

1.SL:

Von der Mulde in einer rechts-links-Schleife hinauf (III-) auf ein kleines Band. Viele ZH.

2. SL:

Vom Band aus nach links zu einem deutlich ausgeprägten Riss. Entweder direkt in ihm (III+) oder an seiner rechten Seite (III) ausweichend hinauf in die Rinne.

3. SL:

Die Rinne gerade hinauf (II) zu Stand.

4. SL:

Bis zum Ende der Rinne weitersteigen (II) bis man an die ersten Standhaken der alten Abseilpiste gelangt.

 

Abstieg:

Über leichte Schrofen hinauf zum Wanderweg und zurück zur Bergstation der Untersbergbahn.

Schwierigkeiten

 

Technische Schwierigkeiten :

Die Route ist technisch leicht, der III. Grad wird nie überschritten.

 

Orientierung:

Problemlos, die Rinne ist gut sichtbar, und in ihr kommt man eh' nicht mehr aus.

 

Sicherung:

Sehr anfängertauglich, massenhaft Bohrhaken in kurzen Abständen. E0.

 

Objektive Gefahren:

Eher gering, eventuell Steinschlag durch Geröll in der Rinne (Helm!).

Charakteristik

 

Erstbegehung:

L. Schifferer, H. Feichtner, V. Raitmayer, 1923.

 

Länge:

300m Kletterlänge, gut 200 Höhenmeter.

 

Landschaft:

Die Mulde am Ende der Abseilpiste bietet eine schöne Aussicht in's Tal, die Abseilpiste ist eine ziemliche Gaudi. In der Tour selbst hat man allerdings relativ wenige „spektakuläre” Tiefblicke.

 

Material:

Doppelseil, mindestens 2*45m, Helm! Keile, etc. sind nicht notwendig. Vielleicht ein paar Bandschlingen für's Geschröf beim Ausstieg. Genügend Expreß-Schlingen (10-15 Stück oder so) mitnehmen oder nur jeden 2. Haken klinken.

 

Sonstiges:

Wir waren damals alleine in der Route, aber im Sommer dürfte es angesichts von perfekter Absicherung, niedriger Schwierigkeit und gutem Fels einigen Betrieb geben.

Sehr lohnend ist auch die benachbarte Ostwandverschneidung.

Literatur

H. Schöner, B. Kühnhauser: AV-Führer Berchtesgadener Alpen, Bergverlag Rudolf Rother, 1994. Tour 109. Dort ebenfalls mit III bewertet.